Erster Credo-Preis des Lausitz Festivals geht an den tschechischen Theatermacher Petr Štědroň

Verleihung im Rahmen der Festivaleröffnung am 25. August 2026 in der Kirche St. Peter und Paul in Görlitz



Der erste Preisträger des 2026 geschaffenen Credo-Preises des Lausitz Festivals heißt Petr Štědron. Der 1976 in Brno geborene Theaterintendant, Germanist und Übersetzer wird für sein besonderes Engagement für die Kunst  als gesellschaftlich relevante und für das Zusammenleben der Menschen unverzichtbare Kraft geehrt. 


Štědroň ermöglicht seit vielen Jahren in wichtigen leitenden Funktionen von Prag aus eine Kunst, die aus dem Osten des Kontinents heraus eine dezidiert europäische  Perspektive auf die geistige Vitalität und Impulskraft unseres Kulturraums bietet. Für die Integration Europas, der sich auch das Lausitz Festival als Europas Kunstfestival verpflichtet weiß, ist die Arbeit des ersten Credo-Preisträgers von unschätzbarem Wert.

Štědroň leitet seit 2013 das Prager Divadlo na Zábradlí (Theater am Geländer), Theater des Jahres 2025 in Tschechien, übernahm 2021 die Intendanz des Deutschsprachigen Theaterfestivals in Prag, dessen Chefdramaturg er seit 2009 war, und wird ab der Spielzeit  2028/29 Intendant des Nationaltheaters Brno, einer der bedeutendsten Kulturinstitutionen Tschechiens mit der größten Bühne des Landes. Darüber hinaus ist er ein erstrangiger Übersetzer deutschsprachiger Theaterstücke, literarischer Prosa und Poesie ins Tschechische.
 
Der Credo-Preis wird Štědroň im Rahmen des Eröffnungskonzerts des Lausitz Festivals 2026 am 25. August in der Kirche St. Peter und Paul in Görlitz überreicht. Die Laudatio auf den Preisträger hält Thomas Oberender, langjähriger Leiter der Berliner Festspiele. 

Der Credo-Preis ist eine undotierte Auszeichnung, mit der das Lausitz Festival ab dem Jahr 2026 Persönlichkeiten ehrt, die, wie es in den Statuten heißt, »ihr künstlerisches oder kulturelles Schaffen aus einer tiefen inneren Überzeugung und dem festen Glauben  an die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst motivieren«. Ausgezeichnet werden soll »eine Herangehensweise, eine tätige Haltung, ein besonderer Zugriff«, die spüren lassen, dass dahinter eine Überzeugung und der Glaube an ein Ziel stehen. Preisträger müssen  aktiv tätige Kulturschaffende sein, die in einem Teil der Welt wirken, der auf direkte oder mittelbare Art für die Lausitz geografisch, historisch, ideell oder auf andere Art von Bedeutung ist. 

Ein Beweggrund dafür, die neue Ehrung ins Leben zu rufen, war das Bedürfnis, in einer Zeit, in der die Präsentation von Kunst in der Öffentlichkeit immer mehr als reines Kulturmanagement verstanden wird, einen primär künstlerischen Impuls auch im Kulturbetrieb  zu fördern und anzuerkennen. Die Mitglieder des Künstlerischen Beirats des Lausitz Festivals kommen selbst aus der Praxis der Kunst und Kunstvermittlung, dasselbe gilt für die Intendanz und Geschäftsführung des Festivals. Über die Vergabe des Credo-Preises  entscheiden beide Gremien – Geschäftsleitung und Künstlerischer Beirat. 

Die Ehrung steht selbst in unmittelbarem Zusammenhang mit einem künstlerischen Akt. Bei der Premiere zur Festivaleröffnung am Dienstag, den 25. August 2026, um 19.30 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul in Görlitz erklingt, eingebettet in die h-Moll-Messe von  Johann Sebastian Bach, ein neu komponiertes »Credo«. Künftig soll parallel zur alle zwei Jahre stattfindenden Preisvergabe beim entsprechenden Festakt jeweils ein neues Credo uraufgeführt werden. Der Auftrag des Lausitz Festivals bei einer Komponistin oder  einem Komponisten stellt es den Schöpfenden ausdrücklich frei, ob sie den ursprünglichen Text der Messe vertonen möchten oder einen anderen, frei gewählten. Denn der feste, tätige Glaube an die Größe und Bedeutung von Kunst für die Gesellschaft der vielen  ist etwas zutiefst Menschliches. Er ist an Konfessionen so wenig gebunden wie an Religion.  

Die erste Credo-Komposition stammt von Sylvain Cambreling. Der 1948 in Amiens in Frankreich geborene Dirigent, der seinen Repertoire-Horizont mit »von Monteverdi bis morgen« absteckt, blickt auf eine beeindruckende internationale Karriere zurück. Dabei ist  der mit vielen namhaften Preisen ausgezeichnete Künstler im Opernfach ebenso gefragt wie als Dirigent symphonischer Werke. Neben seiner derzeitigen Position als Chefdirigent der Symphoniker Hamburg und Gastdirigaten bei anderen bedeutenden Orchestern tritt  Cambreling zunehmend auch als Komponist in Erscheinung. Beim Lausitz Festival 2025 wurde sein Werk »ENTRE PARANTHÈSES ()« für Tenor und Akkordeon in Schloss Altdöbern uraufgeführt. Sein Credo, das in diesem Jahr in Görlitz zur Uraufführung kommt, ist ein Chorwerk  mit Begleitung (kleine Truhenorgel). Es ist ein Geschenk Sylvain Cambrelings, der dem Festival von Anbeginn freundschaftlich verbunden ist.  

Foto: Vladimír Kiva Novotný

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